Diskussionsveranstaltung: 50 Jahre Verbot der KPD
Am 25. August luden Junge
Linke.PDS Wittenberg ein, um gemeinsam mit GenosssInnen
und interessierten BürgerInnen über das Verbot der KPD
in der BRD zu diskutieren. Das Verbot durch das
Bundesverfassungsgericht jährte sich diesen Sommer zum
50. Mal, eine Auseinandersetzung mit diesem Ereignis ist
jedoch nach wie vor erforderlich. Schließlich ist gerade
in der Phase der Neubildung einer bundesweiten
Linkspartei die Frage, in welche Traditionslinien sie
sich stellen möchte, eine relevante. Weiter steht die
Rehabilitierung der GenossInnen der KPD oder gar die
Rücknahme des Verbotes bis heute aus. Ganz abgesehen
davon, dass eine Auseinandersetzung der Linken mit
Parteienverboten im Generellen und Konkreten nicht nur
politisch spannend, sondern auch notwendig ist.
Als Referenten konnte Jan Korte gewonnen werden. Dieser
hat nicht nur in seiner Funktion als
Bundestagsabgeordneter eine parlamentarische Anhörung
zum Jahrestag des KPD-Verbotes initiiert, sondern sich
zudem im Rahmen seiner Magisterarbeit mit dem
Antikommunismus der BRD befasst.
Als Einstieg in die Veranstaltung, welche von Christian
Loos moderiert wurde, hielt Jan ein Referat, in dem er
die Entwicklung des Antikommunismus’ in Deutschland
skizzierte. Um einige seiner Thesen zu nennen:
- Nach der Oktoberrevolution stellte der Antikommunismus
eine Abwehrbewegung des Bürgertums dar, welche dazu
genutzt wurde, um rechte Eliten zu etablieren.
- Im Nationalsozialismus liefen Antikommunismus und
Antisemitismus Hand in Hand.
- Nach dem zweiten Weltkrieg gab es auch in den Gebieten
der Westalliierten zwar einen temporären Bruch mit dem
Antikommunismus, mit der Entwicklung der bipolaren Welt
wendete sich die Einstellung zu KommunistInnen jedoch
wieder. Zudem diente auch in dieser Zeit der
Antikommunismus den rechten Eliten, ihre
gesellschaftliche Stellung zu behaupten.
Dies hatte etwa zur Folge, dass Mitte der 50er Jahre die
nationalsozialistische Eliten wieder in Amt und Würden
waren. Aber bereits Ende der 40er Jahre war eine starke
Verfolgung von KommunistInnen zu verzeichnen. So wurden
beispielsweise allein 1949 etwa 80 kommunistische
Vereine auf dem Verwaltungsrechtsweg verboten.
Im Anschluss an das Referat entfachte eine Diskussion,
welche vor allem die Motivation des Antikommunismus’ und
seine Wirkung bis heute zum Inhalt hatte. Dabei waren
besonders Aspekte wie die Feststellung der
Entsolidarisierung der abhängig Beschäftigten oder die
Einschätzungen zum Agieren der KPD, welche zu einer
weiteren gesellschaftlichen Isolation führte,
beachtlich. Schließlich entwickelte sich eine
kontroverse Auseinandersetzung über das Verbot der NPD.
Diese führten die Anwesenden auch dann fort, nachdem Jan
wegen des Kommunalwahlkampfes in Niedersachsen die
Veranstaltung verlassen musste. Es gibt also das
Bedürfnis im Kreisverband, gemeinsam politische
Positionen zu entwickeln und zu diskutieren. Nach dieser
sehr informativen und agilen Veranstaltung bleibt für
die Zukunft zu hoffen, dass sich noch mehr GenossInnen
und Interessierte mobilisieren lassen und sich im
Kreisverband noch stärker eine Kultur des politischen
Austausches entwickelt.
Lena Kreck