Die Alternative.
Bericht zur ersten Tagung des Landesparteitages
Am 18. und 19. Juni 2005 fand die erste Tagung
des 9. Landesparteitages in Wittenberg statt. Die
Anträge zum Parteitag standen ganz im Zeichen von
Veränderung – sowohl der gesellschaftlichen, als auch
parteibezogenen Veränderung.
Gesellschaft ganz anders: Leitantrag „Zukunft
durch Innovation“
Der Landesvorstand hatte einen Leitantrag
„Zukunft durch Innovation“ zur Abstimmung gestellt,
welcher im Ergebnis mit überwältigender Mehrheit
angenommen wurde.
Die zentrale Idee des Leitantrages ist die der
Innovation, die Idee der gesellschaftliche Veränderung
durch die Einführung etwas Neuem. Dabei wird das
Selbstverständnis der PDS als eine Partei, welche nach
vorne blickt, die eigene und klare Visionen hat und die
gestaltend in politische Auseinandersetzungen eingreifen
möchte, betont und bestärkt. Der Leitantrag stellte
damit eine selbsttragende Entwicklungsoption für das
Land Sachsen-Anhalt zur Diskussion.
Um den Antrag nicht zu überfrachten, haben sich
die AntragstellerInnen diesbezüglich auf drei
Schwerpunkte konzentriert: 1. Bildung, Wissenschaft,
Forschung und Entwicklung, 2. Regionalisierung und 3.
vorsorgende Gesellschaftspolitik statt nachsorgender
Sozialpolitik. Etwas losgelöst vom Innovationsbegriff
findet sich in diesem Antrag ein Abschnitt zu
Demokratie, welche tagtäglich zu verteidigen und
auszubauen gilt. Dieser verweist darauf, dass die PDS
sich auch als Partei versteht, welche für den Erhalt und
den Ausbau von rechtsstaatlichen Standards und
Freiheitsrechten kämpft.
Zu diesem Antrag gab es einige Änderungsanträge.
Zum einen wurde ein Ergänzungsantrag von Rosi Hein
übernommen, welcher für die anstehende Bundestagswahl
die Themen „Agenda Sozial“ und das Steuerkonzept der PDS
in den Mittelpunkt stellt. Mit diesem Änderungsantrag
fand das Schlagwort „soziale Gerechtigkeit“ den Einzug
in den Leitantrag – ein Aspekt der mir bis zu dieser
Änderung nicht ausreichende gewürdigt wurde. Auch hat es
bei mir sehr viel Zuspruch gefunden, dass ein weiterer
Änderungsantrag, welcher Gewerkschaften und
Bürgerinitiativen als besondere Bündnispartner für die
Politik der PDS beschreibt, ebenfalls übernommen wurde.
Nach kontroverser Debatte fand auch ein
Änderungsantrag eine knappe Mehrheit, welcher den
Begriffen „modern und weltoffen, sozial und gerecht,
streitbar und verlässlich“ den Aspekt „ökologisch“
hinzufügte. Diese Änderung fügt sich zwar der Systematik
des Antrages nicht gut ein. Sie erschien mir jedoch
dennoch wichtig, da durch sie der Innovationsbegriff des
Leitantrages konkretisiert und somit auch einer
politischen Kategorie unterworfen wurde.
Veränderung der Landesparteistrukturen: Antrag
Konzept für eine finanzierbare Struktur bis 2010
Ebenfalls zu Kontroversen führte ein Antrag,
welcher ein Konzept für eine finanzierbare
Parteistruktur bis 2010 der PDS Sachsen-Anhalt
vorschlug. Kernpunkt und der zentrale Streitpunkt
stellte die beantragte Reduzierung der
Kreisgeschäftsstellen dar. Diese sollen angesichts
sinkender Mitgliederzahlen und dadurch geringeren
Einnahmen durch Regionalgeschäftsstellen und Bürgerbüros
der Abgeordneten ersetzt werden. Der Parteitag bewegte
sich deshalb im Spannungsfeld zwischen der
erforderlichen Präsenz vor Ort, welche durch die
Kreisverbände sichergestellt wird, einerseits und der
Grenzen der Finanzierbarkeit andererseits.
Zu diesem Punkt wurde ein Änderungsantrag
gestellt, welcher zu verhindern versuchte, dass die
Kreise durch Landesparteitagsbeschluss angewiesen sind,
in näherer Zukunft ihre Geschäftsstellen zu kündigen.
Dieser erreichte jedoch leider nicht die erforderliche
Mehrheit.
Mittelfristig sollen die Kreisverbände in
Regionalverbände umgewandelt werden. Der Landesparteitag
änderte hierzu die Satzung, indem er die Gliederung
eines Regionalverbandes als zulässig erklärte. Weiter
bestätigte er bereits die Gründung des ersten
Regionalverbandes, nämlich des Regionalverbandes Harz
als Zusammenschluss der Kreisverbände Quedlinburg,
Halberstadt und Wernigerode.
Veränderung regional: Das PDS-Konzept zur
Reform der Kommunalverwaltung
Abwanderung und anhaltende Strukturschwäche der
Regionen stellen die Kreise und Gemeinden in
Sachsen-Anhalt vor Probleme. Bereits seit längerem
fordert die PDS deshalb eine Verwaltungsreform, die den
dreistufigen Verwaltungsaufbau zu einem zweistufigen
System reformiert. Außerdem sollen die Kreise erheblich
reduziert werden, um arbeitsfähige Einheiten in der
Verwaltung zu schaffen.
Im Gegenzug stellt sich das Problem, wie dennoch
wie eine bürgernahe und transparente Verwaltung erhalten
bzw. geschaffen werden kann. Der Antrag zur
Verwaltungsreform machte hierzu den Vorschlag, bestimmte
Aufgaben stärker als bisher auf die Gemeinden zu
verlagern (Stichwort „Kommunalisierung“). Des weiteren
soll Bürgerengagement in den lokalen ehrenamtlichen
Funktionen, zum Beispiel im Gemeinderat, ausgeweitet und
unterstützt werden.
Auch dieser Antrag wurde schlussendlich mit einer
satten Mehrheit angenommen.
Veränderung im Landesvorstand
Nach 8 Jahren im Amt stellte sich unsere
Landesvorsitzende Rosi Hein nicht mehr zur Wahl. Ihr
folgte Matthias Höhn, der mit einem erfreulich guten
Ergebnis gewählt wurde. Der Kreisverband Wittenberg ist
nunmehr mit zwei Genossen, Uwe Loos aus Wittenberg und
Martin Jante auf Gräfenhainchen, im neuen Landesvorstand
vertreten. Den Gewählten viel Erfolg!
In aller Munde: Veränderungen in der deutschen
Linken
Obwohl nicht auf der Tagesordnung zu finden,
stand ein Thema doch stets im Raum: Die vorgezogene
Bundestagswahl und der mögliche Antritt eines
Linksbündnisses, bestehend aus PDS und WASG. Viele
RednerInnen bezogen sich hierauf. Lothar Bisky beschwor
die Delegierten, bei aller Skepsis im Interesse der
deutschen Linken mutig und kompromissbereit zu sein. Er
plädierte dafür, ein gemeinsames Linksprojekt zu den
Bundestagswahlen 2005 zu ermöglichen. Petra Pau verwies
auf die Kraft der PDS als explizit demokratisch
sozialistische Partei mit gewachsenen gesellschaftlichen
Alternativkonzepten, die vor allem in Ostdeutschland von
den Menschen unterstützt werden. Deshalb plädierte sie
dafür, bei einer Umbenennung der Partei den
Namenbestandsteil „PDS“ in keinem Fall aufzugeben. In
seiner Rede zur Kandidatur als Ministerpräsident, zu der
er zuvor einstimmig nominiert wurde, verdeutlichte Wulf
Gallert, was mit der PDS geht und was nicht: Die PDS
wird niemals rassistische und diskriminierende
Äußerungen im Wahlkampf und der alltäglichen Politik
akzeptieren und gegen solche Tendenzen vehement
ankämpfen! Er bezog sich dabei auf den Redebeitrag von
Oskar Lafontaine, welcher in Chemnitz eine Konkurrenz
zwischen „Fremdarbeitern“ und deutschen Beschäftigten
propagierte. Solche Äußerungen sind für eine
demokratische und sozialistische Partei untragbar!
Die letzte Tagung des Landesparteitages hat
gezeigt, die PDS möchte Veränderungen – nämlich
demokratisch sozialistische! Da ich grundsätzlich dem
angedachten Linksbündnis zustimme, hoffe ich, euch nach
der nächsten Tagung des Landesparteitages im Juli über
den Beschluss zu einem allseits akzeptierten Namen
berichten zu können.
Lena Kreck