Beweg Dich,
damit sich was bewegt!
Junge Linke im Wahlkampf im Landkreis
Seit einem Jahr ist die Jugend-AG der Wittenberger
Linkspartei jetzt aktiv. Jetzt hat sie auch ihre erste
Erfahrung in einem Landtagswahlkampf gesammelt.
Schon frühzeitig hatten wir uns als junge Linke im Kreis
zusammengefunden und einen Wahlkampfplan erstellt. Dabei
legten wir auf drei Punkte Wert: dynamisch-frech im
Stil, mit klaren Inhalten für soziale Gerechtigkeit und
als praktische Unterstützung für unsere beiden
Direktkandidaten Matthias Gärtner und Jürgen Dannenberg.
Im Kern bestand unsere Planung aus einer engen Folge von
kleinen Aktionen und Veranstaltungen, welche durch uns
in wesentlichen Punkten selbst organisiert und getragen
wurden, jeweils eine inhaltliche Verknüpfung sowie einen
personellen "Verweis" zu den Direktkandidaten hatten.
Unterstützt wurden diese Aktionen durch aktive
Pressearbeit.
Auftakt und Endpunkt unserer Aktionen zum
Landtagswahlkampf bildeten jeweils abendliche Touren
durch Wittenbergs Kneipen mit Matthias Gärtner am
Wochenende. Mit einem Sack voller Infomaterialien sowie
Merchandising-Artikeln der LINKEN machten wir uns auf
den Weg und besuchten die Kneipen. Dabei verteilten wir
die Materialien und versuchten, mit den
KneipenbesucherInnen ins direkte politische Gespräch zu
kommen. Gleichzeitig wurde damit deutlich: Die LINKEN
ziehen sich nicht unter sich in die verrauchten
Hinterzimmer zurück, sondern konfrontieren im
Alltagsleben Menschen mit unseren Zielen und Inhalten.
Unser Kandidat für den Landtag
scheut nicht das Gespräch auf gleicher Augenhöhe, ist
bürgernah, kann zuhören. Und: Linke sind keine
LangweilerInnen; wir können und wollen Spaß haben. Frei
nach Emma Goldman: "Wenn ich nicht tanzen kann, ist das
nicht meine Revolution!" In unseren Pressemitteilungen
zu den Kneipentouren machten wir zugleich deutlich, dass
durch Hartz IV vielen Menschen die Möglichkeit genommen
wird, in ihrer Freizeit Kontakte zu pflegen, sich mit
FreundInnen und Bekannten auf ein gemütliches Bier in
den Kneipen Wittenbergs zu treffen, damit am sozialen
und kulturellen Leben so teilzunehmen, wie es ihren
Bedürfnissen entspricht. Damit setzt unsere Auffassung
an den unmittelbaren Bedürfnissen der Menschen an, geht
aber deutlich über einen rein bürgerlichen Hedonismus
einer "Spaßgesellschaft" hinaus, sondern thematisiert
den notwendigen Zusammenhang zwischen formalem und
materiellem Anspruch auf ein gutes Leben aller.
In einer weiteren Aktion nutzten wir das Ereignis des
Fastnachtstages für unsere Zwecke. In der Innenstadt von
Wittenberg verteilten wir Pfannkuchen, und unter dem
Motto "Pfannkuchen für die Bürger, Pappnase für
schwarz-gelb!" stellten wir den widerständigen Charakter
des Karnevals gegen Obrigkeitsstaatlichkeit und
Untertanengeist heraus - Eigenschaften, die angesichts
der gegenwärtigen Politik der neoliberalen
Einheitsparteien seit den letzten 10 Jahren gefragter
sind denn je.
An einem Abend nutzten wir die durch das Bündnis mit der
WASG erkämpfte Präsenz der Linken im Bundestag und luden
wir Nele Hirsch, die jüngste Bundestagsabgeordnete, zu
einer Veranstaltung zum Thema Ausbildungsumlage in den
Theaterjugendclub im KTC ein. Mit Flyern vor Schulen und
in einer Pressemeldung wiesen wir auf die Veranstaltung
hin, die gleichwohl bedauerlicherweise schlecht besucht
war. Trotzdem liessen wir uns davon nicht entmutigen,
und es ergab sich eine spannende Diskussion mit Nele zu
unseren Vorstellungen und Anforderungen an eine solche
Ausbildungsumlage - gerade in Regionen wir unserer, in
der die Struktur der Wirtschaftsbetriebe die Probleme
einer "klassischen" dualen Ausbildung sichtbar macht.
Zum Thema "Bildung" erarbeiteten wir als Junge Linke.PDS,
gemeinsam mit anderen Linkspartei-Jugendgruppen in
Sachsen-Anhalt, einen Flyer, der unsere Forderungen an
die jeweiligen Bildungsinstitutionen Kindertagesstätte,
Schule, Hochschule und Ausbildungsbetrieb nochmals
verdeutlicht.
Ein Highlight unseres Wahlkampfes bildete die Tour mit
unserem bunt-roten Kleinbus - dem "SozialisBus". In der
letzten Wahlwoche tourten wir mit unserem "SozialisBus",
den wir von Junge Linke.PDS Sachsen hierfür eigens
ausliehen, an zwei Tagen hintereinander durch
verschiedene Orte im Landkreis. In der Presse
begründeten wir unsere Tour so: "Unser SozialisBus ist
ein ganz besonderes Gefährt. Mit allen vier Rädern fest
auf dem Straßenboden der Realität fahrend, befinden sich
in seinem Inneren unzählige Angebote zur Veränderung.
Das beginnt bei Alternativen zur Zukunft des ländlichen
Raums, für mehr Ausbildungsplätze und gegen Armut und
Abwanderung. Gleichzeitig befinden sich in unserem
SozialisBus auch Angebote für eine grundsätzliche
Veränderung der Gesellschaft - eine Gesellschaft der
Demokratie, des Fortschritts und des Friedens. Unser
SozialisBus macht Werbung für eine Gesellschaft in
Freiheit, Gleichheit und Solidarität." Vor Schulen,
Supermärkten und zur Unterstützung von Infoständen
machten wir Halt und präsentierten so konkrete linke
Politikangebote, gekoppelt mit Gesellschaftskritik in
jugendgemäßer Form. Wir kamen mit einer Vielzahl von
Menschen so nochmals direkt in ihrem Lebensbereich ins
politische Gespräch.
Wir wussten im Vorfeld, dass der Kampf um die von der
Landespartei ausgegebenen Ziele - stärkste Partei zu
werden - jedenfalls im Landkreis Wittenberg nur äußerst
schwer erreichbar war, ebenso wie unser Kampf um die
Direktmandate in den beiden Wahlkreisen. Dass es im
Ergebnis dann für beides nicht ganz gelangt hat, war
deshalb für uns keine besondere Überraschung. Dennoch
haben wir als junge Linke im Kreis gezeigt, dass wir
aktionsfähig sind. Wahlen und Wahlkämpfe sind nur Teile
unseres Wirkens. Entscheidend sind - auch das hat der
Wahlkampf unserer Ansicht nach gezeigt - konkrete
kontroverse Themen in der Gesellschaft wie Ausgrenzung,
Abwanderung, soziale Gerechtigkeit und Bildungszugang
statt abgehobene Phraseologie, die erst mühsam
verständlich gemacht werden muss. Leider fanden sich
auch in unserem Wahlprogramm an vielen Stellen derartige
Leerformeln, die den gesellschaftlichen Konflikt nicht
hinreichend verdeutlichten. Linke Parteipolitik ist
maßgeblich auch Bewegungspolitik - ohne engen Kontakt zu
den Menschen vor Ort, ohne die Fähigkeit, sich mit ihnen
zu verständigen und linke Politikansätze, aber auch
linke Visionen einer anderen, demokratischen und
sozialistischen Gesellschaft, plausibel zu machen,
erstarrt die Linke zur Eissäule. Deshalb sagen wir als
Junge Linke auch weiterhin: Beweg Dich, damit sich was
bewegt!